Wir Glaubenden

Bereits Nietzsche wies gegen das aufklärerische Vernunftdogma gerichtet darauf hin, dass nicht wenige Menschen vorziehen, an etwas zu glauben, was ihnen in psychologischer Hinsicht Befriedigung verschafft – wie der Glaube an wohlmeinende Außerirdische, Geistwesen, Energien oder magische Zahlen, die Malaria heilen können. Und wenn Millionen von religiösen Fundamentalisten die moderne Wissenschaft ohne Beweis oder fundiertes, objektivierbares Argument zurückweisen, während sie für ihre Indoktrination zeitgenössische Techniken und Konsumkulturen nutzen, dann lässt sich der Zusammenhang zwischen Individualismus und Fundamentalismus gut erkennen. In beiden Fällen spielt der Narzissmus mit, in beiden Fällen entscheidet man sich für eine geistige Form der Selbstbefriedigung und ignoriert die entstandene kognitive Dissonanz mit verstärkter Rechthaberei.

Entscheidend ist, dass sich das Individuum im Zeitalter des Individualismus einer Fantasie zuwendet, derzufolge seine Freiheit nur Schein sei. Woher bei so vielen Mitbürgern dieses Bedürfnis, die Freiheit, die Demokratie auch zu entlarven? Ist es nur ein typischer Modernismus, einfach das vom Sockel zu stoßen, was die Mehrheit für das Wichtigste hält und verehrt? Ist es das Gefühl, tief drinnen, dass man selbst doch nicht so frei ist, wie man immer geglaubt hat; dass man von Trieben und Komplexen geplagt wird, die dem eigenen Selbstbild zuwiderlaufen – wie ich, wenn ich wieder den Kühlschrank plündere oder bingewatche, obwohl ich das ja gar nicht will? Dass man die Nachrichten über die Welt, die einen fake, die anderen for real, gar nicht mehr richtig zu einem sinnhaften Ganzen zusammenfügen kann? Dass man vielleicht sebst zunehmend das Gefühl hat, zerstreut zu sein, sich selbst nicht mehr sammeln zu können? Es ist all das und noch mehr.

Unser Konzept der negativen Freiheit sieht per definitionem eine ubiquitäre, von überall her anbrandende Macht vor, die diese Freiheit bedroht, umgrenzt; eben das, VON DEM wir eben frei sind. Die negative Definion von Freiheit braucht eine Macht als Bedrohung, sonst verschwindet sie im luftleeren Raum. Unser expressiver Individualismus definiert sich weniger von sich selbst her, weniger von positivem Gehalt, als vielmehr von dem, zu dem wir ihn in Gegensatz setzen: die autoritäre Persönlichkeit, das kirchliche Dogma, die unkritische Staatshörigkeit, die biedere Tradition, die spießbürgerliche Gesellschaft…die ganze westliche Kultur ist darauf aufgebaut, Macht zu entlarven und zu überschreiten. Die Aufklärung richtete sich im Erbe des Christentums an den Einzelnen, an seine Vernünftigkeit, und immer gegen König, Staat und unkritische Akzeptanz des Gegebenen. Heute jedoch sind die Mächte unsichtbarer geworden, technologisch, strukturell, biologisch.

Es ist unglaublich schwer, von diesem Blickwinkel her Freiheit zu definieren, nachdem Staat, Kirchen und sogar Kapitalisten nun ebenfalls diesen Slogan auf ihren Fahnen stehen haben. Wenn all das, was frühere Freiheitskämpfer gefordert haben, für die Mehrheit eingelöst ist und „nur“ noch entsprechender Reformen für Minderheiten bedarf: Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit. Wenn die Konsumkultur uns alles gibt, was wir scheinbar möchten, und das zu Schleuderpreisen, begleitet von der Rhetorik des Individualismus. In einer freiheitlichen Gesellschaft tut es not, den Schwerpunkt unseres Freiheitsbildes zu verlegen von dem „von“ auf das „zu“. Wenn wir trotz all dem dennoch nicht glücklich sind, uns trotzdem nicht frei fühlen, dann muss dafür jemand anderes verantwortlich sein. Oder wir sind vielleicht doch nicht frei? Weshalb nicht? Das Konzept der „Freiheit zu“ würde betonen, dass wir auch an uns selbst arbeiten müssten, zuallererst, um frei zu sein. Dass Freiheit auch innerlich ist. Wer dagegen weiter unkritisch an der „Freiheit von“ festhält, wird neue Sündenböcke brauchen, neue Autoritäten, denen unser Freiheitsmangel anzukreiden ist.

Nicht nur Verschwörungstheoretiker – wir alle, gerade auch all jene, die aus den Kirchen ausgetreten sind oder niemals darin waren, glauben. Die Frage ist nur, an was? Diesen Aspekt hat David Foster Wallace einmal angesprochen. In einer Rede vor College-Absolventen warnte er diese von der verbreiteten Meinung, wir würden heute in einer Gesellschaft leben, in der man nicht mehr „glaubt“ oder gar etwas „verehrt“:

…in the day-to day trenches of adult life, there is actually no such thing as atheism. There is no such thing as not worshipping. Everybody worships. The only choice we get is what to worship. And the compelling reason for maybe choosing some sort of god or spiritual-type thing to worship…is that pretty much anything else you worship will eat you alive. If you worship money and things, if they are where you tap real meaning in life, then you will never have enough, never feel you have enough…Worship your body and beauty and sexual allure and you will always feel ugly…Worship your intellect, being seen as smart – you will end up feeling stupid, a fraud, always on the verge of being found out…the insidious thing about these forms of worship is not that they’re evil or sinful; it is that they are unconscious…They’re the kind of worship you just gradually slip into, day after day, getting more and more selective about what you see and what you value without ever being fully aware that that’s what you’re doing. And the world will not discourage you from operating on your default-settings, because the world of men and money and power hums along quite nicely on the fuel of fear and contempt and frustration and craving and the worship of self.

David Foster Wallace, Kenyon Commencement Adress

Auch der Atheist glaubt: nicht unbedingt an Verschwörungstheorien, er kann auch der Werbung glauben, Influencer, andere Menschen, Ideologien, oder, dass das Leben daraus besteht, zu arbeiten und zu konsumieren; auch er hat seine Weltbilder, Ideologien, Theorien, seine unhinterfragten Glaubenssätze, die sein Leben, Denken und den Alltag strukturieren; viele meiner Atheistenfreunde glauben beispielsweise dass der Sinn des Lebens darin besteht, erfolgreich zu sein, gut auszusehen, viel zu besitzen, im Vergleich mit anderen alten Schulkameraden gut wegzukommen, oder einfach „Spaß zu haben“. Es gibt viele Arten von Glauben, und das Perfide daran ist, wie Wallace in seiner Rede betont, dass unsere Gesellschaft uns erfolgreich eingeredet hat, dass wir all diese Glaubensfragen längst hinter uns gelassen hätten. Das macht es so gefährlich: Wo uns nicht mehr deutlich ist, wie vielen Glaubenssätzen wir folgen; wo wir uns frei glauben von unhinterfragten Dogmen, da wird das Hinterfragen, das Offenbleiben schwierig.

Ich erinnere mich noch gut, wie ich auf jeder Studentenparty mit meinen Freunden bei einem Song der Band Rage Against the Machine im Refrain beherzt und fast so wie jetzt von mir selbst begeistert mitgrölte: „Fuck you, I won’t do what you tell me“, voller Pathos darüber, dass mir niemand befehlen könne, was ich mit meinem Leben zu tun habe; trunken vor Freiheitsgefühlen. Was ich jedoch damals für Freiheit hielt, sehe ich heute mit all meiner Erfahrung und rückblickend auf meine Handlungen als einen sehr kurzsichtigen Narzissmus an. Ich hatte mir nämlich tatsächlich eine Menge sagen lassen; mein Leben an Werte, Ideen, Verhaltensweisen, Mitmenschen und Idole ausgerichtet, von denen ich mich öängst distanziert habe – nur bemerkte ich es damals nicht.

Auch wenn wir uns für postreligiös und ausgesprochen vernünftig halten mögen, glauben wir immer noch gerne an Dinge, die sich so nicht beweisen lassen und für uns dennoch „Fakten“ sind – nicht an Gott oder eine Seele, dafür aber an etwas, was meistens sogar noch unwahrscheinlicher ist, uns aber besser ins Weltbild und den persönlichen Kram passt. Das reicht von Extremformen wie Verschwörungstheorien oder allerlei Engelchen im Universum bis hin zum klassischen atheistischen Ideologietrunk. Am meistverbreiteten in Deutschland scheint ja der Glaube, dass der Einzelne sich den Sinn seines Lebens komplett selbst schaffe, Moral und Sitten dagegen nur kulturelle Konstrukte seien, der Mensch nur eine Ansammlung physikalisch-chemischer Prozesse. Dass Werte und Ideen kulturell konstruiert und daher immer auch schon relativ seien. Dass im individuellen Lustgewinn Wert liege. Etc.  In den 1940ern und 1950ern kreierte man aus dieser Situation eine Philosophie der heroisch-tragischen Auflehnung gegen das Absurde, heutzutage geht es dagegen meistens nur noch um eine Selbsterfüllung, die sich mit den Worten „Lust“ und „Spaß“ recht gut zusammenfassen lässt.

So glauben wir, uns beispielsweise aus Vernunftgründen autonom dazu zu entscheiden, ein Leben zu führen, dass sich vor allem am Genuss und an unserem eigenen Wohlbefinden orientiert. Wir glauben vielleicht nicht so stark daran, dass wir dieses Weltbild bei jeder Diskussion eloquent und mit überlegten Argumenten verteidigen würden, aber wir handeln danach, der Glaube ist quasi automatisch. Und dies hat eben den Vorteil, dass man sich da nicht mehr viel Gedanken darüber machen muss. Identität, Moral, Gesetze, Regeln – alles irgendwie konstruiert, künstlich, willkürlich, und vor allem diskriminierend. Wahrheit, Religion, Existenz, Ich, Objektivität, die Welt – alles subjektiv und relativ, irgendwie. Christentum: Nee, die Kreuzzüge, und überhaupt, Darwin, Evolution &so. Wir hantieren gerne mit gedanklichen Shortcuts, und stellen uns daher auch nicht unbedingt die Frage, wie die Evolutionslehre Darwins mit unseren heutigen sozialen und gesellschaftlichen Idealen (soziale Gerechtigkeit, Feminismus, Gender, etc.) übereinstimmt.

Solche Shortcuts machen tiefe Reflexionen über diese Dinge überflüssig. Wieso auch? Wenn der Tag gefüllt ist mit Kommunikation, Konsum und Unterhaltung, kommt die Frage nach Sinn und Gott, nach Moral jenseits vom Habitus und Wunsch, gar nicht auf. Es ist der Verzicht auf Reflexion, es ist die Orientierung an den Impulsen und an dem, was uns die umgebende Welt als erstes vorschlägt, die wir heute „frei“ nennen. Ein unreflektiertes Leben rein aus dem Impuls heraus. Frei ist nicht länger die Reflexion, die innerliche Distanz von den eigenen Trieben und dem Kontext, sondern ist jetzt, wenn ich instantan das erhalte, was ich scheinbar wünsche. Einige scheitern an einem solchen Leben, daran, andere kommen gut damit klar, jedenfalls bis zur ersten handfesten Krise.

Dass Genuss, Begehren und seine Erfüllung, Spaß und ein täglich neues Unterhaltungsprogramm einen Wert an sich haben, ja, unsere Zeit mehr ausfüllen sollten als demokratische Pflichten, bürgerliches Engagement, aktive Nächstenliebe, kunstsinnige Muse – auch das ist ein Glaube, den wir nur nicht explizit artikulieren; den wir vielleicht auch nicht aktiv teilen, aber nach dem wir uns dennoch des Öfteren richten im Alltag. Und dieser Glaube bietet einen Nährboden für allerlei ideologischen oder spirituellen Konsum, der sich ebenfalls nach der eigenen Lust ausrichtet: glauben, was einem ganz gut reinläuft. Mich wundert daher nicht, dass es in meinem Bekanntenkreis gerade jene Menschen sind, die schon immer „dagegen“ waren und die nun eher Verschwörungstheorien anhängen, welche die USA und oft auch Israel als Mischung aus dem Antichristen und dem „unmoved mover“ früherer Gottesbeweise versteht: immer böse und immer für alles verantwortlich, was man irgendwie für „kacke“ befindet.

Hier zeigt sich, wie gefährlich der Glaube an unsere eigene Mündigkeit im Namen von persönlicher Authentizität sein kann: er erlaubt uns, auf das tägliche Hinterfragen von uns und unserer Autoritäten zu verzichten. Diese Haltung ist gefährlich besonders in einer Zeit von allgegenwärtigem Marketing, der steigenden Rolle von Influencern sowie des grassierenden Populismus, und nicht zuletzt einer subkutanen Konsumkultur, die jede Straßenecke besetzt hat; gefährlich auch in einer Zeit, in der unsere Nachrichten aus der Welt auch nur von einigen wenigen Autoritäten stammen, die sich sehr gut mit unseren inneren Impulsen verstehen – jene Impulse, die langwierigen Reflexionen und Sinnbefragungen gerne das Wort abschneiden, noch bevor es einigermaßen artikuliert ist; in einer Zeit, in der neue Autoritäten auf dieses Recht des Andersdenkens setzen und gegen die liberale Gesellschaft neue Propagandaformen des Fundamentalistischen, Völkischen oder Antikapitalistischen auffahren; in einer Zeit, in der „für den Moment leben“ eine besonders beliebte Definition von „Freiheit“ darstellt.

Auch das ist ein Rousseauismus, den wir über die Romantiker, Pseudo-Freud und die Achtundsechziger geerbt haben: Und auch hier ist es wiederum genau jenes scheinbar Freiheitliche, die unsere Unfreiheit ermöglicht: „Für den Moment leben“ – YOLO – mag uns in Einklang mit unseren Lüsten und Trieben bringen, aber diese Triebe kommen nur scheinbar von innen. Das Bedrohliche an unserer Konsumkultur ist ja, dass ihre Produkte nicht nur verdammt gut verpackt sind, sondern auch ziemlich Spaß machen, und damit auch Lust auf mehr; ja, mehr noch, dass sie ein enormes Suchtpotenzial besitzen. Das Problem bei Influencern und Populisten ist, dass sie scheinbar einfache Antworten auf schwierige Fragen geben und damit immer mehr einen Nerv treffen innerhalb einer zunehmend unmündigen Kultur. Und die Gefahr des „Überwachungskapitalismus“ liegt nicht zuletzt darin begründet, dass wir uns im Namen des Individuums beständig neuen Trends unterwerfen (Juli 2019 beispielsweise FaceApp) und dabei uns selbst aufgeben: Sei es unser natürliches Aussehen zugunsten von Instagram, sei es unsere persönlichen Daten für den Anbieter der nächsten Killer-App.

Gerade die Sucht ist die Kehrseite des modernen Individualismus. Dennoch empfinden wir auch den Konsum von Suchtmitteln nicht als etwas Fremdes, sondern als Befriedigung der uns scheinbar eigenen, natürlichen, persönlichen Lüste, und damit als Ausdruck unserer Freiheit. Wer sich einmal mit Menschen unterhalten hat, die Instagram und Youtube professionell nutzen und dafür schon in jungen Jahren Schönheits-OPs an sich vornehmen lassen, hört ähnliches. Nein, es geht natürlich nicht um die Unterwerfung unter ein neues Schönheitsideal, hieß es in einem Fall aus meinem erweiterten Bekanntenkreis. Feministische Themen kommen da nur vor, wenn es um equal pay geht.

Das Über-Ich war bei Freuds Strukturmodell der Psyche jene künstliche, fremde Stimme der Gesellschaft, welche die natürlichen Triebe des Es unterdrückt. Marxistisch orientierte Vor-Achtundsechziger wie Marcuse machten daraus das Gebot, das Es vom Über-Ich zu befreien. Doch nun müssen wir eigentlich sagen, dass das „Es“ genau jene fremde Macht ist, die von uns fordert, Spaß zu haben, zu konsumieren, bloß nichts zu verpassen. Das „Es“ scheint sich mit dem Über-Ich verbündet zu haben. Dass wir diese Forderungen dennoch als Freiheit verstehen, liegt daran, dass ihre Stimme direkt zu unseren Trieben und Lüsten spricht; dass sie unsere narzisstischen Potenziale fördert; und dass sie flankiert wird nicht nur von einer sehr effektiven Werbeindustrie, sondern von einer ganzen Kultur, die auf dem Glauben basiert, das hemmungslose Freisetzen von eigenen Wünschen und Begierden sei das Ziel des menschlichen Lebens und der Gipfel unserer freiheitlichen Ideale. Hier trifft die Konsumkultur auf das postreligiöse Weltbild des Materialismus und einer Moral, die sich irgendwie zwischen Utilitarismus und Kommune 1 bewegt.

Nimmt man den verbreiteten Glauben, unsere Stimmungen und Impulse wären ein authentischer Ausdruck unserer Natur, und man erhält scheinbar mündige Bürger, die sich freiwillig und im Glauben an die eigene Vernunft irrational verhalten können. Dies ist eine Gesellschaft, die – um eine Formulierung des Schriftstellers William Gaddis zu verwenden – Halluzinationen mit Visionen verwechselt. Wenn daher immer wieder Personen auf Facebook oder bei Demonstrationen fordern, der Staat solle sich aus Familien- und Drogenpolitik heraushalten, eben weil der Einzelne ja ein mündiger Bürger sei, dann wird dabei vergessen, dass Mündigkeit nicht ein Naturzustand ist, sondern etwas, dass man sich erarbeiten muss und dass durch entsprechendes Verhalten verlorengehen kann – wie mündig ist man auf Drogen oder als Drogensüchtiger? Wie mündig sind Meth-Junkies, die im Wahn versuchen, Passanten ins Gesicht zu beißen oder sie für Züge schubsen – laut Gerichten, Anwälten und verschiedenen Bürgerrechtlern sind sie’s oft ja nicht – und zweitens, dass der Staat ja wiederum die gesundheitlichen Folgen des Drogenkonsums zu bezahlen hat. Wie mündig war jener Jugendliche, als er die Bude seiner Oma zertrümmert hat aus Frust über das fehlende WLAN? 29% aller US-amerikanischer Jugendliche haben im Jahr 2015 angegeben, „nahezu pausenlos online zu sein und bis zu 300 Textnachrichten an einem Tag zu versenden,“ hieß es in einem Artikel auf Welt Online. Kein Wunder, dass man nervös wird, wenn die Standleitung abbricht.[2]

Das Argument der Mündigkeit wird also gegen die Autorität verwendet, als Argument für ein freies, selbstbestimmtes Leben – wobei vorausgesetzt wird, dass ein solches Leben nicht wirklich Voraussetzungen oder Anstrengungen braucht. „Mündigkeit“, dieser Begriff wird vor allem seit 1968 mit dem narzisstischen Ideal des „Ich kann machen, was ich will“ verwechselt.

Es geht also nicht nur um Tradition, sondern um die Autorität als Gesamtes; um die Frage, von wem und auf welche Weise wir uns heute noch etwas von jemandem sagen lassen können. Wie wir also vertrauensvoll und relativ transparent Autoritäten wählen können. Wie es uns gelingen kann, unserem Leben eine Form, einen Stil, eine Orientierung zu geben, ohne damit gleich auf die eigene Freiheit verzichten zu müssen. Es geht darum, wie wir heute noch eine Form von Souveränität erreichen können, die aus mehr besteht als dem Einklagen externer Rechte von scheinbaren Unterdrückungsinstanzen. Und wenn ich so oft die Bedeutung von Autorität ins Licht rücke, tue ich das nicht in dem Wunsch nach mehr autoritätshörigen Bürgern, sondern möchte uns für die Bedeutung von Autorität und die Rolle unserer eigenen, oft unsichtbaren Autoritäten sensibilisieren; für die Bedeutung auch, die Autorität für unsere Freiheit haben kann.


[2] http://www.welt.de/vermischtes/article156665265/Die-geheime-Welt-von-Maedchen-im-Bann-der-sozialen-Medien.html

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